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StandpunktKI-MarktMittelstand

Lasst uns nicht dieselben Fehler machen

Was der KI-Boom vom Photovoltaik- und Glasfaserboom lernen muss – ein Bericht aus der Praxis beider Referenzbranchen

Von Marcel Sohn··11 Min. Lesezeit

Der aktuelle KI-Beratungsboom folgt demselben Drehbuch wie der Photovoltaikboom und der Glasfaserboom der vergangenen Jahre: schnelles Geld auf Kosten der Qualität und zu Lasten der Endkunden. Und ein Appell, es bei einer Technologie, die tatsächlich Zukunft und Arbeitsplätze sichern kann, diesmal anders zu machen.

Stand: Juli 2026. Verfasst aus der Perspektive eines Praktikers, der beide Referenzbranchen selbst von innen erlebt hat: als Unternehmer im Breitband- und Glasfaserausbau mit dreistelliger Mitarbeiterzahl und zweistelligem Millionenprojektvolumen sowie als Gründer im Bereich erneuerbare Energien und Photovoltaik.

1. Die These

Wer heute LinkedIn öffnet, findet sie zu Hunderten: selbsternannte KI-Experten, KI-Berater, Prompt Engineers und Automatisierungsagenturen. Die Eintrittshürde ist minimal. Wer Claude oder ChatGPT bedienen kann, ein Zertifikat aus einem geförderten Wochenendkurs vorweist und eine Landingpage baut, nennt sich Experte. Das erinnert frappierend an die PV-Branche der Jahre 2022 und 2023, als jeder mit einer Leiter und einem Gewerbeschein Solaranlagen verkaufte. Und es erinnert an den Glasfaserboom ab 2020, als billiges Investorengeld jeden mit einem Bagger zum Netzbauer machte.

Die These dieses Berichts: Deutschland erlebt in Boombranchen immer wieder dasselbe Muster. Man meint, schnell Geld verdienen zu können, auf Kosten der Qualität und zu Lasten der Endkunden. PV und Breitband haben es vorgemacht. Die KI-Branche steht am Anfang exakt derselben Kurve. Der Unterschied: Diesmal steht mehr auf dem Spiel, denn KI ist eine Technologie, die echten Mehrwert bringen und Arbeitsplätze sowie den Standort sichern kann. Genau deshalb darf sie nicht denselben Vertrauensschaden erleiden.

2. Das wiederkehrende Drehbuch: vier Phasen jedes Booms

Über Branchen hinweg lässt sich derselbe Ablauf in vier Phasen beschreiben, fast lehrbuchhaft.

Phase 1, der Goldrausch. Ein externer Auslöser (Energiekrise, politische Ausbauziele, ChatGPT-Moment) trifft auf mediale Dauerpräsenz und leicht verfügbares Kapital oder Fördergeld. Die Nachfrage explodiert und übersteigt das Angebot an qualifizierten Anbietern bei weitem.

Phase 2, die Verwässerung. Weil jeder Auftrag verkauft wird, spielt Qualität keine Rolle. Quereinsteiger, Vertriebsorganisationen und Kapitalgetriebene fluten den Markt. Kompetenz wird durch Versprechen ersetzt, Substanz durch Wachstum.

Phase 3, die Ernüchterung. Die Nachfrage normalisiert sich, Preise und Margen fallen, Finanzierung wird teurer. Geschäftsmodelle ohne Substanz kollabieren, es kommt zu Insolvenzen, Projektabbrüchen und Rückzügen.

Phase 4, die Kunden zahlen die Zeche. Anzahlungen sind weg, Projekte bleiben halbfertig, Ansprechpartner verschwinden, Gewährleistung ist wertlos. Und das Schlimmste: Das Vertrauen in die eigentlich sinnvolle Technologie ist beschädigt, oft für Jahre.

Der Kernbefund in allen drei Branchen: Es war nie die Technologie, die versagt hat. Solarstrom funktioniert, Glasfaser ist die Zukunftsinfrastruktur, KI liefert nachweisbar Produktivität. Versagt haben Geschäftsmodelle ohne Substanz, Vertrieb ohne Handwerk und Wachstum ohne Struktur.

3. Fallstudie Photovoltaik: der sichtbare Crash

Der PV-Boom 2022 und 2023 wurde von hohen Strompreisen und Förderung getrieben. Quereinsteiger ohne Elektrofachwissen, aggressive Haustürgeschäfte, hohe Anzahlungen und Lieferzeiten von einem Jahr wurden akzeptiert. Dann brach 2024 die private Nachfrage ein, während chinesische Überkapazitäten die Modulpreise um bis zu 40 Prozent drückten.

Es folgte die Pleitewelle: Eigensonne, Amia Energy, Envoltec, Wegatech, Solarmax, EPP Solar und zuletzt Ende 2025 fünf Tochterfirmen der Sun Contracting Gruppe. Selbst etablierte Anbieter und Testsieger gingen insolvent. Destatis registrierte allein in den ersten drei Quartalen 2024 über 16.000 Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von über 22 Prozent, mit den Erneuerbaren als besonders betroffenem Sektor.

Die Rechnung zahlten die Kunden: halbfertige Anlagen ohne Netzanschluss, verlorene Anzahlungen, wertlose Garantieansprüche, kein Ansprechpartner für Wartung und Reparatur. Wer eine Anlage eines insolventen Anbieters auf dem Dach hat, findet kaum einen Handwerker, der fremde Arbeit übernimmt und dafür haftet.

4. Fallstudie Breitbandausbau: der leise Crash mit Subunternehmerketten

Der Glasfaserboom folgte demselben Drehbuch, nur mit einem zusätzlichen Kapitel, das für die KI-Branche besonders lehrreich ist: der Qualitätserosion durch Weiterreichen.

Um 2020 herrschte Goldgräberstimmung. Politische Ausbauziele (50 Prozent Glasfaser bis 2025, Vollversorgung bis 2030), Nullzinsen und internationale Investoren lockten zahlreiche neue Anbieter in den Markt. Dann kam die Verwässerung, und zwar strukturell: Aufträge wurden an Subunternehmer vergeben, die sie an Sub-Subunternehmer weiterreichten, oft an Kolonnen aus Niedriglohnländern. Jede Stufe behielt ihre Marge ein, sodass für die eigentliche Arbeit am Ende zu wenig Geld übrig blieb. Die Folgen waren dokumentierte Baumängel: unsauber geschlossene Gehwege, beschädigte Wasserleitungen, mehrfach aufgerissene Straßen, weil sich parallel bauende Anbieter nicht koordinierten. Dazu kam der Überbau, bei dem mehrere Betreiber dieselben lukrativen Gebiete doppelt erschlossen und sich gegenseitig die Wirtschaftlichkeit zerstörten.

Ab 2022 drehte die Zinswende das Geschäftsmodell (heute investieren, in 15 Jahren verdienen) ins Negative, und die Wechselbereitschaft der Kunden blieb weit hinter den Businessplänen zurück. Die Ernüchterung schlug in Insolvenzen um: helloFiber zog sich bereits 2022 zurück, Glasfaser Direkt folgte 2023, der große Tiefbaupartner Soli Infratechnik mit rund 700 Mitarbeitern meldete im Mai 2024 Insolvenz an, dazu Flex Infra, Phoenix Engineering, Convert und der Netzbetreiber Metrofibre, der nach dem überraschenden Rückzug seiner Finanzierungspartner in die Eigenverwaltung ging. Die Deutsche Glasfaser halbierte ihre Ausbauziele von sechs auf rund 3,2 Millionen Haushalte und zog sich beispielsweise im Landkreis Südliche Weinstraße aus 19 Gemeinden zurück, die teils jahrelang vertröstet worden waren.

Und wieder zahlten die Endkunden, hier oft ganze Gemeinden: Leerrohre liegen ungenutzt in der Erde, Haushalte warten sechs Jahre auf den versprochenen Anschluss, Kommunen fühlen sich im Stich gelassen, und beim Ausbauziel 2025 fehlen Schätzungen zufolge mehrere Hunderttausend Anschlüsse. Der halbfertige Hausanschluss ist das Glasfaseräquivalent der PV-Anlage ohne Netzanschluss.

Die spezifische Lehre aus dem Breitband: Qualität stirbt nicht nur durch inkompetente Anbieter, sondern auch durch Lieferketten, in denen niemand mehr Verantwortung trägt. Genau dieses Muster entsteht gerade in der KI-Branche, wenn Agenturen Whitelabel-Leistungen einkaufen, Freelancerketten bilden und am Ende niemand weiß, wer den Prompt, den Workflow oder die Datenanbindung eigentlich gebaut hat und wartet.

5. Die KI-Branche folgt demselben Muster, mit Zahlen belegt

Die gleiche niedrige Eintrittshürde. In der PV-Branche brauchte man theoretisch einen Elektriker, im Glasfaserbau theoretisch Fachfirmen. In der KI-Beratung braucht man nicht einmal das. Zertifikatslehrgänge zum KI-Berater werden mit bis zu 90 Prozent staatlicher Förderung beworben, teilweise mit dem Versprechen von 50 Prozent Einkommenssteigerung. Das erinnert an die Solarteurschnellkurse von 2022.

Die gleiche Vertriebslogik. Verkauft wird das Versprechen (Autarkie damals, Gigabit dazwischen, Effizienz und Automatisierung heute), nicht die Lösung. Kostenlose Potenzialanalysen in 30 Minuten und Pilotprojekte ab 4.990 Euro sind das KI-Pendant zum kostenlosen Dachcheck und zur Vorvermarktungsquote.

Die gleiche Qualitätslücke, bereits messbar. Nach McKinsey nutzen zwar fast 90 Prozent der Unternehmen inzwischen KI, aber nur 39 Prozent können einen messbaren Effekt auf ihr Ergebnis nachweisen. Rund 42 Prozent der KI-Projekte werden vor Produktionsreife abgebrochen, und laut Gartner werden etwa 40 Prozent der Agentenprojekte bis Ende 2027 wieder eingestellt, meist wegen unklarer Ziele, schlechter Datenqualität oder fehlendem Business Case. In der Fachpresse gilt 2026 als Konsens: KI-Investitionen ohne klaren Wertnachweis sind nicht mehr visionär, sondern fahrlässig.

Die gleiche halbfertige Anlage, nur digital. Wer einen schlechten Prozess digitalisiert, bekommt einen schnellen schlechten Prozess. Ein Chatbot auf einer chaotischen Wissensbasis halluziniert. Eine Automatisierung auf einem undokumentierten Workflow bricht beim ersten Sonderfall. Ein KI-Agent ohne Governance, Monitoring und Abschaltmechanismus ist das digitale Äquivalent der PV-Anlage ohne Netzanschluss und des Leerrohrs ohne Faser: Es ist etwas installiert, aber es liefert keinen verwertbaren Nutzen, und niemand haftet dafür. Die Fachliteratur bringt es auf den Punkt: Wer KI nur als Toolschicht über veraltete Prozesse legt, skaliert vor allem Enttäuschung.

6. Ist der Trend gut für die IT-Berufe?

Kurzfristig: gemischt bis negativ. Der Markt wird geflutet. Seriöse IT-Dienstleister mit 10 oder 15 Jahren Erfahrung in Data Engineering, Softwarearchitektur und Prozessberatung konkurrieren plötzlich mit Anbietern, die vor 18 Monaten noch Social-Media-Marketing verkauft haben. Das drückt Preise, verwässert Berufsbilder und erschwert Kunden die Unterscheidung. Gleichzeitig senkt KI selbst die Eintrittsbarrieren: Ein Einzelberater kann heute Leistungen erbringen, für die früher ein Team nötig war. Für klassische Juniorrollen im IT-Umfeld ist das eine echte Bedrohung.

Mittelfristig: positiv für die Substanz. Die Marktbereinigung, die in PV und Glasfaser über Insolvenzen lief, läuft in der KI-Branche über gescheiterte Projekte. Jedes abgebrochene Agentenprojekt und jeder halluzinierende Chatbot erzeugt genau die Nachfrage, von der qualifizierte IT-Profis leben: aufräumen, neu architektieren, richtig machen. Der BDU weist für KI-Beratung 2025 ein Wachstum von rund 19 Prozent aus und erwartet für 2026 rund 22 Prozent, während der Gesamtberatungsmarkt nahezu stagnierte. Das Geld fließt, es fließt nur zunehmend dorthin, wo Wertnachweis erbracht wird. Kompetenz zeigt sich nicht in Keynotes und Demos, sondern in Dokumentation, messbaren Ergebnissen und der Fähigkeit, auch mal von einem Projekt abzuraten.

Das eigentliche Risiko für IT-Berufe ist nicht die KI, sondern der Vertrauensschaden. Wenn der Mittelstand nach zwei oder drei gescheiterten KI-Projekten das Thema für Jahre abschreibt, so wie mancher Hausbesitzer nach der PV-Pleitewelle keine Anlage mehr kaufen will und manche Gemeinde keinem Glasfaseranbieter mehr glaubt, verlieren alle, auch die Guten.

7. Ist der Trend gut für die Kunden?

Die Schadensmuster lassen sich über alle drei Branchen fast eins zu eins übertragen.

PV-BrancheBreitbandausbauKI-Branche
Anzahlung weg, Anbieter insolventGemeinde vertröstet, Anbieter zieht sich zurückRetainer und Setupgebühren gezahlt, Agentur verschwindet oder pivotiert
Halbfertige Anlage ohne NetzanschlussLeerrohr ohne Faser, Anschluss ohne AktivierungHalbfertige Automatisierung ohne Fehlerbehandlung, Dokumentation und Übergabe
Keine Gewährleistung mehrBaumängel, für die niemand haftetKein Support, keine Wartung der Prompts, Workflows und Integrationen
Kein Handwerker übernimmt fremde AnlagenKein Ersatz für insolvente Baupartner zu findenKein Entwickler übernimmt gern undokumentierte No-Code-Flickwerke
Falsch dimensionierte AnlagenÜberbau und DoppelstrukturenAutomatisierte schlechte Prozesse, die Fehler schneller produzieren

Bei KI kommt sogar ein Schadenstyp hinzu, den es weder bei PV noch bei Glasfaser gab: der stille Folgeschaden. Eine schlecht montierte PV-Anlage fällt irgendwann sichtbar aus, ein schlecht verlegtes Kabel liefert kein Signal. Ein schlecht gebauter KI-Prozess läuft dagegen weiter und produziert dabei fehlerhafte Angebote, falsche Kundenkommunikation oder DSGVO-Verstöße. Der Schaden ist unsichtbar, bis er teuer wird. Ab August 2026 kommt mit den zentralen Pflichten des EU AI Act zudem eine regulatorische Ebene hinzu (Governance, Risikobewertung, Transparenz), auf die viele Schnellstarter nicht vorbereitet sind, ihre Kunden aber haften mit.

Positiv für Kunden ist einzig der Preisdruck und die Verfügbarkeit: KI-Unterstützung ist heute für jeden Handwerksbetrieb erschwinglich, so wie PV durch den Preisverfall erschwinglich wurde. Das Problem war nie der Zugang, sondern die Qualität der Umsetzung.

8. Wo die Analogie hinkt

Drei Unterschiede sollten fairerweise genannt werden. Erstens: PV-Anbieter und Glasfaserfirmen starben primär an externem Marktdruck, also Preisverfall, Zinswende und Nachfrageeinbruch. KI-Projekte scheitern primär an interner Umsetzungsqualität. Das bedeutet: In der KI-Branche kann der einzelne Anbieter sein Schicksal stärker selbst beeinflussen. Zweitens: Der KI-Markt wächst weiter zweistellig, während der private PV-Markt schrumpfte und der Glasfaserausbau sich verlangsamte. Die Bereinigung findet in einem wachsenden, nicht in einem kollabierenden Markt statt, was sie weniger brutal, aber dafür schleichender macht. Drittens: Bei PV und Glasfaser war das Produkt standardisierte Hardware und Infrastruktur, die Differenzierung lief über Montage und Service. Bei KI ist die Beratung und Prozessarbeit selbst das Produkt. Blender fliegen schneller auf, weil das Ergebnis unmittelbar am Geschäftsergebnis messbar ist.

9. Warum es diesmal wirklich zählt

Man könnte zynisch sagen: Boomzyklen gehören zur Marktwirtschaft, die Bereinigung kommt sowieso. Bei KI greift dieser Fatalismus zu kurz, aus drei Gründen.

Erstens ist KI keine Nischentechnologie, sondern eine Querschnittstechnologie. Eine gescheiterte PV-Anlage betrifft ein Dach, ein gescheitertes Glasfaserprojekt eine Gemeinde. Eine verbrannte KI-Erfahrung betrifft die Digitalisierungsbereitschaft eines ganzen Unternehmens, quer durch alle Abteilungen und für Jahre.

Zweitens hat Deutschland keinen Puffer mehr. Fachkräftemangel, Demografie, Standortkosten und internationaler Wettbewerbsdruck bedeuten: Die Produktivitätsgewinne durch KI sind nicht optional, sondern notwendig, um Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Land zu halten. Wer heute mit Blenderprojekten das Vertrauen des Mittelstands verspielt, verspielt Standortzukunft.

Drittens haben wir diesmal etwas, das es 2020 und 2022 nicht gab: die dokumentierte Erfahrung aus zwei Boomzyklen in nur einem Jahrzehnt. Die Fehler sind bekannt, die Muster sind beschrieben, die Schadensbilder liegen auf dem Tisch. Es gibt keine Ausrede mehr, sie zu wiederholen.

10. Der Appell: Lasst uns nicht dieselben Fehler machen

Aus der Erfahrung der letzten Jahrzehnte lassen sich die Lehren konkret formulieren, für alle drei Beteiligten am Markt.

An die Kunden: Wendet dieselben Regeln an, die ihr nach der PV-Pleitewelle und den Glasfaserenttäuschungen gelernt habt. Keine hohen Vorauszahlungen. Referenzen mit messbaren Ergebnissen verlangen, nicht mit Demos. Auf Dokumentation und Übergabefähigkeit bestehen, damit ihr im Zweifel den Anbieter wechseln könnt. Klein pilotieren mit definierten Erfolgskriterien und einem klaren Abbruchpunkt. Und vor allem: Vor jeder Digitalisierung den Prozess selbst prüfen. Ein schlechter Prozess wird durch KI nicht besser, nur schneller.

An die Anbieter: Verkauft nichts, was ihr nicht warten könnt. Baut keine Subunternehmer- und Whitelabel-Ketten, in denen am Ende niemand mehr Verantwortung trägt, denn genau das hat den Glasfaserausbau die Qualität gekostet. Benennt Grenzen, dokumentiert transparent, definiert Abschaltmechanismen und habt den Mut, ein Projekt zu stoppen oder abzulehnen, bevor es Schaden anrichtet. Kompetenz zeigt sich im Wertnachweis, nicht in der Keynote.

An Politik und Verbände: Fördert Qualifikation statt Etiketten. Ein mit 90 Prozent gefördertes Wochenendzertifikat produziert keine Experten, sondern Erwartungen, die enttäuscht werden. Sinnvoller sind nachweisbare Standards, Praxisnachweise und eine Förderung, die an Umsetzungsqualität und Ergebnisse gekoppelt ist, nicht an Teilnahmebescheinigungen. Der EU AI Act liefert ab August 2026 einen Rahmen; er sollte als Qualitätschance verstanden werden, nicht als lästige Pflicht.

Das Fazit dieses Berichts ist deshalb kein pessimistisches. Die Technologie ist so bahnbrechend, wie es Solarstrom für die Energiewende und Glasfaser für die digitale Infrastruktur sind. In der PV-Branche haben am Ende die Elektromeisterbetriebe mit eigenem Service überlebt, nicht die Vertriebsmaschinen. Im Glasfaserausbau überleben die finanzstärksten und effizientesten Unternehmen mit echter Baukompetenz, nicht die Vorvermarkter. In der KI-Branche werden es diejenigen sein, die Prozesse verstehen, bevor sie sie automatisieren.

Wir haben die Erfahrung von zwei Boomzyklen. Nutzen wir sie. Nicht nochmal schnelles Geld auf Kosten der Qualität und zu Lasten der Endkunden, sondern diesmal Substanz von Anfang an.

KI kann Zukunft und Arbeitsplätze sichern, aber nur, wenn wir sie nicht denselben Leuten überlassen, die schon zweimal bewiesen haben, wie man einen Boom verbrennt.

Quellen (Auswahl)

Destatis Insolvenzstatistik 2024; agrarheute-Berichterstattung zur Solarpleitewelle 2024 bis 2026; Berichterstattung zu Insolvenzen im Glasfaserausbau (Soli Infratechnik, Flex Infra, Phoenix Engineering, Metrofibre) 2024 bis 2026; VATM- und IW-Einordnungen zur Glasfaserbranche; McKinsey State of AI 2025; Gartner-Prognose zu Agentenprojekten; BDU Facts & Figures zum Consultingmarkt 2026; Bitkom-Studien zur KI-Nutzung; Berichterstattung IT Daily und Computer Weekly 2026 zur KI-Ernüchterung.

Diesmal mit Substanz

KI einführen, ohne die Boom-Fehler zu wiederholen

Wir arbeiten so, wie es dieser Bericht fordert: dokumentiert, messbar, mit klaren Abbruchkriterien und dem Mut, auch von einem Projekt abzuraten. Ein kostenloses Erstgespräch zeigt, ob und wo KI in Ihrem Betrieb wirklich trägt.

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