Die Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern war lange bequem und unsichtbar. 2026 wird sie zum strategischen Thema – getrieben von Geopolitik, dem US CLOUD Act und einer neuen EU-Initiative.
Beim Fall DeepSeek ging es um Daten, die nach China flossen. Doch die Frage der Datensouveränität endet nicht in Fernost. Auch die alltägliche Abhängigkeit von US-Cloud-Diensten rückt 2026 in den Fokus – und betrifft den Mittelstand unmittelbar.
Das Risiko hat einen Namen: der CLOUD Act
Der US CLOUD Act von 2018 erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten, die von US-Unternehmen gespeichert werden – unabhängig davon, wo die Server stehen. Das kollidiert fundamental mit der europäischen DSGVO. Für Unternehmen heißt das: Auch ein Rechenzentrum „in Frankfurt" schützt nicht automatisch, wenn der Betreiber US-amerikanisch ist.
Viel Abhängigkeit, wenig Plan B
Die Lage ist messbar geworden. Laut einer Lünendonk-Studie halten 83 Prozent der Unternehmen ein Szenario, in dem ein Anbieter den Zugang zu kritischen Diensten einseitig einschränkt oder abschaltet, für ein relevantes Risiko – doch nur 57 Prozent verfügen über eine Ausstiegsstrategie. 96 Prozent erwarten, dass die Bedeutung digitaler Souveränität in den nächsten drei Jahren steigt.
Bemerkenswert ist die Einschätzung der Marktreife: 93 Prozent sehen europäische Anbieter auf Infrastrukturebene als konkurrenzfähig – aber nur 3 Prozent halten sie bei Plattform- und KI-Diensten für gleichwertig. Genau in dieser Lücke entscheidet sich, ob Europa souverän wird.
83 Prozent halten ein einseitiges Abschalten für ein reales Risiko – nur 57 Prozent haben eine Ausstiegsstrategie.
sinngemäß nach der Lünendonk-Studie zur digitalen Souveränität, 2026
Die EU antwortet: der Cloud and AI Development Act
Am 27. Mai 2026 kündigte die EU-Kommission ein Gesetzespaket zur Cloud-Souveränität an. Sensible Daten aus Behörden für Finanzen, Justiz und Gesundheit sollen künftig nur auf europäischen Servern verarbeitet werden. Geplant ist unter anderem eine abgestufte SEAL-Zertifizierung (Sovereignty Effectiveness Assurance Levels) und der Ausschluss US-amerikanischer Anbieter – die rund 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes kontrollieren – von besonders sensiblen Behördenaufträgen. Die Ausgaben für souveräne Cloud-Dienste sollen 2026 um über 80 Prozent steigen.
Das Paket muss noch von allen 27 Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament beschlossen werden – der Prozess wird dauern. Aber die Richtung ist gesetzt.
Was das für den Mittelstand heißt
Kein Grund zur Panik, aber Grund für einen Plan:
- 1.Daten klassifizieren. Welche Daten sind unkritisch, welche sensibel?
- 2.Sensibles in die EU. Für personenbezogene und geschäftskritische Daten gehört die Verarbeitung auf europäische Infrastruktur mit europäischem Betreiber.
- 3.Ausstiegsoption schaffen. Ein dokumentierter Plan B senkt das Risiko, von einem einzigen Anbieter abhängig zu sein.
- 4.KI souverän aufsetzen. KI-Systeme lassen sich von Anfang an DSGVO-konform und mit EU-Hosting bauen.
Genau dieser Ansatz steckt hinter der KI-Infrastruktur von SOHN.AI: leistungsfähige KI, deren Daten in Deutschland bzw. der EU verarbeitet werden. Souveränität ist kein Verzicht – sie ist eine Entscheidung, die man früh treffen sollte.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Politische Vorhaben und Studienzahlen geben den Stand im Juni 2026 wieder und können sich ändern.
Quellen
[1] Lünendonk: Digitale Souveränität wird zur Top-Priorität. https://www.luenendonk.de/digitale-souveraenitaet-wird-durch-hohe-abhaengigkeiten-von-it-und-cloud-providern-sowie-geopolitische-risiken-zur-top-prioritaet/
[2] Born City: EU plant Cloud-Wende – US-Anbieter raus aus sensiblen Behördendaten (Cloud and AI Development Act). https://borncity.com/news/eu-plant-radikale-cloud-wende-amerikanische-anbieter-raus-aus-sensiblen-behoerden-daten/
[3] IONOS: KI und Cloud – wie Europa digitale Souveränität zurückgewinnt. https://ionos.blog/ki-und-cloud-wie-europa-digitale-souveraenitaet-zurueckgewinnt/
Souverän statt abhängig
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